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Mycoplasma agassizii bei Landschildkröten

Infektionen mit Mycoplasma agassizii bei Landschildkröten

– Upper Respiratory Tract Disease

Es ist allgemein bekannt, dass Landschildkröten an Herpesvirusinfektionen erkranken und im schlimmsten Fall sogar sterben können. Dass es jedoch auch noch andere, ansteckende Schildkrötenerkrankungen gibt, die ebenfalls nicht heilbar sind und leicht in einen gesunden Schildkrötenbestand eingeschleppt werden können, ist leider nach wie vor oft unbekannt.

Diese Information soll einen Überblick über die sogenannte Mycoplasma agassizii – Infektion bei Landschildkröten geben.

Was sind Mycoplasmen?

Mycoplasmen sind kleine, zellwandlose Bakterien, die sich wie Viren in ihre Wirtszellen zurückziehen können.

Welche Symptome können durch Mycoplasmen (insbesondere durch Mycoplasma agassizii) hervorgerufen werden?

Mycoplasmen können Infektionen der oberen Atemwege bei Landschildkröten hervorrufen. Zu Beginn der Erkrankung fallen vor allem laute Atemgeräusche und Nasenausfluss bei betroffenen Tieren auf. Der Nasenausfluss ist am Anfang noch klar, kann zu einem späteren Zeitpunkt aber dickflüssig und eitrig werden. Oft bilden sich auch sogenannte Bläschen an den Nasenlöchern. Erkrankte Tiere haben zusätzlich oft tränende Augen, geschwollene Augenlider und Bindehautentzündungen. In der Maulhöhle wird vermehrt Speichel produziert bzw. sammelt sich dort Schleim an, der aus den Nasenhöhlen stammt. Oft ist das Allgemeinbefinden der Tiere zu diesem Zeitpunkt noch ungestört.

Bei chronisch kranken Tieren werden die oben beschriebenen Symptome immer schlimmer – z.T. zeigen betroffene Tiere hochgradige Atemnot mit deutlich hörbaren, lauten Atemgeräuschen und Maulatmung. Die Nasenlöcher können in diesen Fällen verfärbt (Verlust von Pigment) bzw. verformt sein. Die Entstehung einer Lungenentzündung

ist möglich. Schwer kranke Tiere nehmen kein Futter mehr auf und werden immer inaktiver. Im schlimmsten Fall kann eine Mycoplasmeninfektion unbehandelt zum Tod des erkrankten Tieres führen.

Wie kann eine Infektion mit Mycoplasma agassizii diagnostiziert werden?

Durch die klinische Untersuchung kann der Tierarzt bereits die Verdachtsdiagnose einer Mycoplasma agassizii – Infektion stellen.

Anhand einer Tupferprobe aus der Maulhöhle können Mycoplasman dann im spezialisierten Labor durch eine spezielle Diagnostikmethode (PCR) nachgewiesen werden.

Röntgenbilder bzw. eine endoskopische Untersuchung können in schweren Fällen notwendig sein, um eine Pneumonie (Lungenentzündung) nachzuweisen. Diese wird nicht unbedingt nur durch Mycoplasmen, sondern in chronischen Fällen zusätzlich durch Sekundärerreger (andere Bakterien oder auch Pilze) verursacht.

Wie können erkrankte Tiere behandelt werden?

Erkrankte Tiere sollten sofort vom restlichen Bestand separiert werden. Haltungsbedingungen (Gehege, Fütterung, Temperatur, usw.) sollten (sofern noch nicht ideal) optimiert werden, um jegliche Stressfaktoren ausschliessen zu können.

Geeignete Antibiotika können helfen, die durch die Infektion hervorgerufenen Symptome zu lindern. Mit Nasenspülungen kann auch zäher Schleim vorsichtig aus den Nasenlöchern gespült werden. Sollten Pilze als Sekundärerreger am Infektionsgeschehen beteiligt sein, müssen evtl. noch zusätzlich Pilzmittel eingegeben werden.

Wie ist die Prognose für erkrankte Tiere?

Trotz Gabe von Antibiotika können betroffene Tiere nicht vollständig geheilt werden und bleiben lebenslang Krankheitsträger! In Stresssituationen können deshalb jederzeit wieder Atemwegssymptome auftreten. Betroffene Tiere sollten aus Zuchtgruppen entfernt und von gesunden Tieren isoliert gehalten werden.

Wie kann ich meinen Schildkrötenbestand schützen?

Mycoplasma agassizii – Infektionen werden oft durch Neuzugänge in gesunde Bestände eingeschleppt! Neue Tiere sollten deshalb immer zunächst in Quarantäne gehalten werden. Das Quarantäneterrarium bzw. -gehege sollte wenn möglich in einem anderen Raum als die anderen Terrarien bzw. Gehege untergebracht sein. Die Tiere sollten auf Herpesviren, Mycoplasmen und auf Parasitenbefall untersucht werden, bevor sie in den eigenen Bestand gegeben werden.

Dieser Beitrag hat einen Kommentar
  1. Liebe Frau Dr. Wernick
    Herzlichen Dank für Ihre heutige mündliche Information. Auch die Infos auf Ihrer Homepage waren für mich sehr nützlich.
    Wie besprochen, werde ich einige meiner Tiere zur Untersuchung bringen.
    Schön, dass Sie in Sargans Sprechstunden halten!!!
    Äs Grüessli, K. Brocard

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