Kastration bei weiblichen Kaninchen

Kastration (Ovariohysterektomie) bei weiblichen Kaninchen

– Warum eine Operation Leben retten kann!

Immer wieder werde ich in der Sprechstunde gefragt, ob auch weibliche Kaninchen kastriert werden sollten und welche Gründe für diese Operation sprechen. Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit „ja“ beantworten und es ist mir wirklich ein Anliegen, möglichst viele Kaninchenbesitzer über dieses wichtige Thema zu informieren.

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Studien, die eigentlich alle zum gleichen Ergebnis kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein weibliches Kaninchen im Laufe seines Lebens an einer Gebärmuttererkrankung leiden wird, ist überdurchschnittlich hoch.

Bereits bei sehr jungen Kaninchen (< 1 Jahr) ist die Gebärmutterschleimhaut häufig verändert – unter dem Einfluss der Hormone Östrogen und Progesteron wird die Gebärmutterschleimhaut bei sexuell aktiven Kaninchen verdickt (Hyperplasie der Endometriumschleimhaut), die Drüsen der Gebärmutter (Uterindrüsen) produzieren mehr Sekret. Das Gebärmuttergewebe wird vermehrt durchblutet, das Gewebe deshalb insgesamt anfälliger für starke Blutungen. Im schlimmsten Fall kann sich Blut in der Gebärmutter ansammeln und zu Problemen führen (Hämometra). Auch Schleim bzw. wässriges Sekret kann sich in der Gebärmutter ansammeln (Mukometra, Hydrometra).

Aus der oben genannten „endometrialen Hyperplasie“ (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) können sich im Laufe der Zeit auch Tumore entwickeln. Diese werden dann in der Regel bei ca. 4 – 5 Jahre alten Kaninchen diagnostiziert. Meistens handelt es sich um sogenannte Adenokarzinome (bösartige Tumore, die sich aus Drüsengewebe entwickeln). Im fortgeschrittenen Stadium können diese Tumore Ableger in der Lunge oder auch in anderen Organen verursachen.

Viele Kaninchen zeigen zunächst keine deutlichen Krankheitssymptome. Manchmal fallen nur Verhaltensveränderungen auf, bedingt durch die hormonellen Veränderungen im Körper (Aggressivität gegenüber den Partnertieren bzw. gegenüber den Besitzern, Apathie, etc.). Manchmal entwickelt sich ein blutig-schleimiger Ausfluss aus der Scheide.

Scheinträchtigkeiten mit Nestbau und Milchproduktion können ebenfalls Hinweise auf eine mögliche Gebärmuttererkrankung geben. Wenn sich ein Tumor entwickelt hat, leiden betroffene Kaninchen oft an Verdauungsstörungen oder Bauchschmerzen, da durch den immer grösser werdenden Tumor z.B. Darmschlingen im Bauchraum verdrängt werden.

Eine Diagnose bei allen Gebärmuttererkrankungen kann mit Hilfe der klinischen Allgemeinuntersuchung (gründliches Abtasten des Bauchraumes), Röntgen bzw. mit einer Ultraschalluntersuchung gestellt werden. Die Ultraschalluntersuchung bietet mit Sicherheit den Vorteil, dass auch geringe Flüssigkeitsansammlungen in der Gebärmutter erkanntwerden können. Bei starken Blutungen ist es zudem wichtig zu kontrollieren, ob das erkrankte Kaninchen bereits an einer Anämie (Blutarmut) leidet.

Einzig sinnvolle Behandlungsmöglichkeit ist den meisten Fällen die sogenannte Ovariohysterektomie (vollständige Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter). War diese Operation früher noch sehr risikoreich (v.a. aufgrund der oft schlecht verträglichen Narkosemittel), gibt es heute zum Glück sehr schonende Narkoseprotokolle, mit deren Hilfe die Tiere gut schlafen und keine Schmerzen haben. Entscheidend ist auch, dass die betroffenen Tiere während der Operation Infusionen (Flüssigkeitstherapie) und eine angemessene Schmerzbehandlung bekommen. Durch die Gabe von Infusionsflüssigkeit in eine Vene wird der Kreislauf stabilisiert, was massgeblich dazu beiträgt, dass ein Tier die Operation besser übersteht. Es versteht sich von selbst, dass die Operation so steril wie möglich durchgeführt werden muss (sterile Operationsabdeckung, sterile Handschuhe, OP-Mantel), um jegliche Infektionen zu vermeiden.

Wenn weibliche Kaninchen bereits in jungen, gesunden Jahren (1 – 2 jährig) vorbeugend operiert werden, lassen sich spätere Erkrankungen vermeiden. Narkosen sind bei jungen Tieren ausserdem besser verträglich als bei älteren oder erkrankten Kaninchen.

Nach der Operation ist eine gute Schmerzbehandlung, evtl. eine antibiotische Behandlung und eine sorgfältige Kontrolle des betroffenen Kaninchens unglaublich wichtig. Manchmal muss in den ersten Tagen nach einer Operation zwangsgefüttert werden, wenn operierte Tiere noch nicht von alleine die „normale“ Futtermenge aufnehmen können. Die Operationswunde muss unbedingt täglich gut kontrolliert werden, operierte Tiere müssen möglichst sauber eingestallt werden (z.B. auf Frotteetüchern), damit kein Schmutz (Einstreu usw.) in die Wunde gelangen kann.

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