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IBD bei Schlangen

Was versteht man unter der Inclusion Body Disease (IBD)?

Unter Inclusion Body Disease (Einschlusskörperchenkrankheit) versteht man eine der bedeutendsten Viruserkrankungen bei Schlangen. Von der Erkrankung können alle Schlangen der Familie Boidae betroffen sein. Besonders häufig erkranken Boa constrictor (Boa constrictor constrictor) und Tigerpython (Python molurus bivitattus).

Der Name IBD (Inclusion Body Disease) leitet sich von den charakteristischen Einschlusskörperchen ab, welche bei erkrankten Tieren in Blut- bzw. Nervenzellen, z.T. auch in Zellen von Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse nachgewiesen werden können. Obwohl die meisten der erkrankten Tiere zur Familie Boidae gehören, wurden auch bei anderen kranken Schlangen Einschlusskörperchen entdeckt (z.B. bei Palmlanzenottern).

Welches Virus ruft die Inclusion Body Disease hervor?

In den Jahren 2012 und 2013 konnten verschiedene Arenaviren (RNA-Viren) von Forschungsgruppen bei an IBD erkrankten Tieren isoliert werden, die mit dem Auftreten der Inclusion Body Disease in Zusammenhang stehen.

Welche Symptome zeigen an IBD erkrankte Schlangen?

An IBD erkrankte Schlangen zeigen häufig Symptome des zentralen Nervensystems wie Kopfzittern, Anheben des Kopfes in einer unnatürlichen Haltung („Sterngucken“), herabgesetzte Intensität des Züngelns, Inkoordination, Lähmungen oder allgemeine Schwäche der Muskulatur.

Boas würgen häufig ihr Futter wieder aus („Regurgitieren“) oder verlieren über einen längeren Zeitraum stetig an Gewicht.

Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, kommen häufig noch andere Krankheitssymptome hinzu. Oft sind dies Krankheiten des Atmungstrakts (Atemnot, vermehrte Schleimbildung in der Maulhöhle, Lungenentzündung), Stomatitis (Entzündung der Maulschleimhaut) oder Dermatitis (Entzündung der Haut allgemein). Auch die Bildung von Tumoren wird immer wieder in Zusammenhang mit IBD gebracht, ist bis jetzt aber nicht eindeutig bewiesen.

Bei schwer erkrankten Schlangen funktioniert der sogenannte Umkehrreflex nicht mehr. Das heisst, dass betroffene Tiere nicht mehr in der Lage sind sich umzudrehen, wenn sie mit der Bauchseite nach oben auf einen festen Untergrund gelegt werden.

Wie kann IBD übertragen werden?

IBD kann durch direkten Kontakt übertragen werden. Auch Schlangenmilben stehen nach wie vor in Verdacht, Viren von Tier zu Tier übertragen zu können.

Mangelnde Hygienemassnahmen (fehlende Händedesinfektion beim Handling mehrere Tiere) kann dazu führen, dass sich die Erkrankung in einem Bestand sehr schnell ausbreiten kann. Muttertiere übertragen evtl. Viren direkt auf ihre Jungtiere.

Schlangen können Träger von Viren sein, ohne sofort Symptome einer Erkrankung zu zeigen. Durch Tiere, die ohne Quarantäne direkt in einen Bestand verbracht werden, kann IBD ebenfalls schnell in einen vorher gesunden Bestand eingeschleppt werden und fatale Folgen mit sich bringen. Alle Reptilien sollten mindestens 3 Monate lang in Quarantäne gehalten werden, bevor sie in einen neuen Bestand verbracht werden. Vor allen in der amerikanischen Literatur wird empfohlen, diese Zeitspanne für Boas und Pythons auf 6 Monate zu verlängern.

Wie kann die Diagnose „IBD“ beim Tierarzt gestellt werden?

Erste Hinweise für eine mögliche Erkrankung können oft schon bei der klinischen Untersuchung festgestellt werden.
Bei einer Blutuntersuchung können manchmal bereits Einschlusskörperchen in Blutzellen nachgewiesen werden.
Auch Gewebeproben (z.B. Probenentnahmen der Leber) können Einschlusskörperchen enthalten.
Ganz neu können mit Hilfe einer sogenannten PCR (Polymerase-Kettenreaktion) Abstriche aus der Maulhöhle (Rachen), Blut und Gewebeproben (Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Gewebe des zentralen Nervensystems) auf Arenaviren untersucht werden. Das Testergebnis liegt nach ca. 3 Tagen vor.

Ist Inclusion Body Disease heilbar?

Zum momentanen Zeitpunkt gibt es leider keine Behandlungsmöglichkeit gegen IBD, die zu einer Heilung betroffener Tiere führt. Möglich ist allenfalls eine unterstützende Therapie mit Flüssigkeitstherapie, künstlicher Ernährung und Antibiotikatherapie, um bereits vorliegende Symptome zu lindern. In einem Bestand ist es schwierig betroffene Tiere zu behandeln, da die Ansteckungsgefahr für die verbliebenen gesunden Tiere sehr hoch ist. Oft ist deshalb das Einschläfern des erkrankten Tieres die einzige Möglichkeit.

Wie können Schlangen vor einer Ansteckung geschützt werden?

Wie bei allen ansteckenden Erkrankungen ist Hygiene am allerwichtigsten, um eine Ausbreitung der Erkrankung in einem Bestand zu verhindern (Händedesinfektion, Infektion von Terrarien usw.).
Quarantänemassnahmen wie bereits oben beschrieben verhindern, dass Viren von erkrankten Tieren in gesunde Bestände eingeschleppt werden.

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