Federrupfen bei Papageienvögeln

Viele unterschiedliche Erkrankungen bzw. Verhaltensprobleme können Federrupfen bei Papageienvögeln hervorrufen. Betroffen sind nicht nur grössere Arten wie z.B. der Graupapagei, sondern auch kleinere Vertreter wie Wellensittiche und Nymphensittiche. Hat das Federrupfen einmal begonnen, lassen sich viele Patienten nur schwer wieder davon abbringen. Vor allem, weil die eigentliche Ursache für den Beginn des Federrupfens oft nicht gefunden wird.

Federrupfen kann in verschiedene Schweregrade (leicht, mittel, schwer) eingeteilt werden. Beim „leichten“ Federrupfen kaut der Vogel auf einzelnen Federn bzw. an den Flügelspitzen herum. Bei einem mittleren Erkrankungsgrad werden mehrere Federn komplett ausgerissen und zerstört, wobei kahle Stellen am ganzen Körper (v.a. an der Brust) entstehen können. Die schlimmste Stufe, die sogenannte „Automutilation“ (Selbstverletzung) geht mit hochgradigen Hautverletzungen und schwersten Infektionen einher, die im schlimmsten Fall zum Tod des Vogels führen können. Papageien haben spezielle Ansprüche an Haltung und Ernährung, die zu Hause oft nur schwer umgesetzt werden können. Falsche Haltungsbedingungen führen zu Frustration und Langeweile bei unseren gefiederten Kameraden und begünstigen die Entstehung des Federrupfens.

Die folgende Zusammenfassung soll Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Ursachen fü Federrupfen/Federverlust geben.

1) Infektionskrankheiten (PBFD/Polyoma)

A) PBFD = Psittacine Beak and Feather Disease
Erreger: Circovirus Ausscheidung über Kropfsekret, Kot, Federstaub Symptome: durch die Schädigung von Federfollikeln (Wachstumsort der Federn) fallen Federn symmetrisch aus, das Federwachstum ist gestört; an den Federkielen können z.T. ringförmige Einschnürungen festgestellt werden, an welchen die Federn abbrechen; auch das Wachstum und die Hornqualität von Schnabel und Krallen wird negativ beeinflusst; akuter Verlauf mit plötzlichen Todesfällen möglich.

B) Polyomavirusinfektion (Französische Mauser, Rennerkrankheit)
Erreger: Polyomavirus, häufige Erkrankung bei Wellensittichen und Agaporniden. Ausscheidung über Kot und Federstaub Symptome: alters- und speziesabhängig unterschiedlicher Verlauf möglich;
Plötzliche Todesfälle bei Nestlingen mit Blutungen in der Unterhaut und an
Federfollikeln; Chronische Verläufe bei älteren Tieren mit Ausfall von Schwungfedern und
Schwanzfedern; nachwachsende Federn sind oft von schlechter Qualität und
können eine Flugunfähigkeit hervorrufen;

Diagnose: bei beiden Erkrankungen kann ein Virusnachweis aus Federmaterial bzw.
Blut erfolgen (PCR-Nachweis);
Therapie: für beide Erkrankungen ist zurzeit keine Therapie vorhanden;
Begleiterkrankungen können symptomatisch behandelt werden;

2) Metabolische Erkrankungen

Besonders Lebererkrankungen können Haut- und Gefiederveränderungen bei Papageienvögeln hervorrufen. Bekannt sind Farbveränderungen bei Graupapageien (graue Federn -> rote Verfärbung) bzw. bei Amazonen (grüne Federn -> dunkle Verfärbung). Die Ablagerung von irritierenden Gallensalzen unter der Haut führt zu hochgradigem Juckreiz, welcher wiederum Federrupfen auslösen kann. Eine gestörte Mauser bzw. übermässig schnelles Wachstum von Schnabelhorn und Krallen sind häufige Begleiterscheinungen von Lebererkrankungen. Leberschäden entstehen oft durch eine zu fette und einseitige Ernährung (Körnerfutter, selektive Futteraufnahme des Vogels) bei nicht ausreichender Bewegung. Eine Nahrungsumstellung auf ein ausgewogenes Pelletfutter mit ausreichendem Obst- und Gemüsezusatz bzw. die Verabreichung von leberunterstützenden Medikamenten kann helfen, entsprechende Symptome zu lindern bzw. rückgängig zu machen. Eine Lebererkrankung kann mit Hilfe eine Blutprobe diagnostiziert werden. Vergiftungen mit Schwermetallen (Blei, Zink) können ebenfalls Pigmentstörungen (z.B. Schwarzverfärbung des Gefieders beim Graupapagei) bzw. Federrupfen hervorrufen.

Auch eine Nikotinvergiftung durch passives Rauchen kann Einfluss auf das Gefieder haben. Schwermetalle lassen sich bei akuten Vergiftungen (z.B. beim Verschlucken von bleihaltigen Gegenständen) röntgenologisch bzw. bei chronischen Vergiftungen durch Bluttests nachweisen. Eine sofortige Therapie mit Medikamenten ist dann
unerlässlich.

3) Ernährungsbedingte Erkrankungen

Wie auch beim Menschen hat eine gesunde Ernährung Einfluss auf alle Organsysteme. Haut und Gefieder spiegeln Nährstoff- und Mineralstoffmangel beim Vogel direkt wieder (vergleichbar zu Haut und Haar beim Menschen). Viele Papageienvögel sind Experten in den sogenannten selektiven Futteraufnahme (Heraussuchen des bevorzugten Futtermittels aus einer Körnermischung, z.B. alleinige Aufnahme von Sonnenblumenkernen und Nüssen aus Körnermischungen). Dieses Herausfiltern der fettreichen und vitaminarmen Lieblingsnahrung führt zu einer Mangelernährung, welche schwerstwiegende Erkrankungen auslösen kann. Vitamin A, Aminosäuren, Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium sind nur einige Komponenten, die einen grossen Einfluss auf Hautund Gefiederqualität haben. Die Verwendung von Pelletfutter wirkt dieser selektiven Futteraufnahme entgegen (bitte beachten Sie dazu das Merkblatt „Zeitgemässe Fütterung von Papageienvögeln“).

4) Hormonelle Erkrankungen

Verschiedene hormonelle Erkrankungen ( z.B. zystische Veränderungen des Eierstocks und Legedarmentzündungen beim weiblichen Vogel bzw. Tumorerkrankungen des Geschlechtsapparats beim weiblichen und männlichen Vogel) können Federrupfen hervorrufen. Eine gezielte Behandlung mit Hormonen und anderen unterstützenden Medikamenten kann helfen, den Leidensdruck des Vogels zu verringern.

5) Verhaltensprobleme

Frustration, Langeweile, Stress…Schlagworte, die immer wieder im Zusammenhang mit Verhaltensproblemen beim Vogel genannt werden. Papageien sind hochintelligente, soziale Tiere, die unter keinen Umständen alleine gehalten werden dürfen. Ein ausreichend grosser Käfig und artgerechte Beschäftigung sind ein absolutes Muss für eine tiergerechte Haltung. Viele Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Ernährung müssen beachtet werden, um einen Vogel eine möglichst naturnahe und korrekte Haltung zu bieten. Aus Mangel an sozialen Kontakten (der Mensch ist kein adäquater Partner für einen Vogel) oder durch fehlende Beschäftigung bzw. falsche Haltung heraus wird das eigentlich normale Komfort- und Pflegeverhalten des Vogels verstärkt. Die Gefiederpflege wird zu einer Zwangshandlung, Federn werden durch die übertriebene Pflege zerstört bzw. komplett ausgerissen. Bei chronischen Fällen wird oft auch die Haut verletzt – Wunden und Blutungen bewirken eine noch intensivere Pflege – ein Teufelskreis entsteht. Oft spielt auch sexuelle Frustration ab Eintritt der Geschlechtsreife und eine oft damit verbundene Fehlprägung des Vogels auf den Menschen eine entscheidende Rolle. Ein verantwortungsbewusster Vogelhalter zu sein bedeutet immer, die eigene Vogelhaltung kritisch zu überdenken. Wer einen Vogel als Wildtier mit spezifischen Bedürfnissen betrachtet und dementsprechend behandelt, wird mit Sicherheit viel Freude am natürlichen und einmaligen Verhalten seines Schützlings haben.

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema „Federrupfen“ bei Ihrem Vogel haben, können Sie mich gerne hier kontaktieren

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