Encephalitozoonose beim Kaninchen

Encephalitozoonose – eine Kaninchenerkrankung mit vielen Gesichtern

Heute einmal ein Beitrag über eine der häufigsten Erkrankungen beim Kaninchen – die Encephalitozoonose. Was verbirgt sich hinter diesem geheimnisvollen Namen? Ganz kurz erklärt – eine parasitäre (protozoäre) Erkrankung beim Kaninchen, die häufig (aber nicht nur) neurologische (also das Nervensystem betreffende) Ausfallerscheinungen hervorrufen kann. Die Krankheitsbilder sind vielfältig – und so werden manchmal kleine Patienten nicht behandelt, weil man vergeblich auf die typischen Symptome (Anfälle, Überschlagen, Kopfschiefhaltung, Lähmungserscheinungen) wartet. Dieser Bericht soll einen guten Überblick über die Erkrankung mit all ihren Facetten geben – in der Hoffnung, dass in Zukunft noch viel mehr kleinen Fellnasen geholfen werden kann.

Welcher Erreger ruft die Encephalitozoonose hervor?

Der Verursacher der Encephalitozoonose ist Encephalitozoon cuniculi. Dabei handelt es sich um einen Erreger, der zu den sogenannten Mikrosporidien gehört und zahlreiche Organe schädigen kann. Neben dem zentralen Nervensystem sind das Augen, Leber, Milz, Herz, Lunge, Darmtrakt und, besonders wichtig, die Nieren.

Wie wird der Erreger ausgeschieden?

Der Erreger wird vor allem über den Urin, aber auch über den Kot ausgeschieden. Kaninchen können sich über die orale Aufnahme verschmutzter Einstreu bzw. über die Aufnahme von verschmutztem Futter anstecken. Es ist auch nachgewiesen, dass sich die Erkrankung vom Muttertier via Plazenta (Mutterkuchen) auf die noch ungeborenen Jungtiere übertragen kann.

Welche Symptome kann ein erkranktes Kaninchen zeigen?

Wie bereits erwähnt – die Encephalitozoonose hat viele Gesichter. Hier ein Überblick über die häufigsten Formen:

Neurologische Form (das Nervensystem betreffend):

Inkoordination, Kopfschiefhaltung, Nystagmus (atypische, rhythmische Bewegung der Augen), Verzögerung des Pupillarreflexes, Anfälle, Überschlagen (oft Rotationen um die Längsachse), Lahmheiten und Lähmungserscheinungen

Augenform:

Linsenkapselruptur, dadurch Austritt von Linsenprotein in die Augenkammer, „Wolkenbildung“
Entzündung des Auges, Glaukom

Nierenform:

Gewichtsverlust, blasse Schleimhäute, struppiges Fell, Tiere trinken viel
Chronische Nierenentzündung, Erhöhung der Nierenwerte im Blut
Anämie (Blutarmut), da in der Niere kein/zu wenig Erythropoetin gebildet wird (Hormon, Wachstumsfaktor für die roten Blutkörperchen) Kalziummangel, Knochenveränderungen, da in der Niere kein aktives Vitamin-D3 mehr gebildet wird

Wie kann die Diagnose „Encephalitozoonose“ gestellt werden?

Wichtig ist eine gründliche klinische und neurologische Untersuchung in der Tierarztpraxis. Durch eine Blutuntersuchung können sogenannte Antikörper gegen Encephalitozoon cuniculi nachgewiesen werden. Des Weiteren gibt die Blutuntersuchung Auskunft über die Nierenwerte und somit Nierenfunktion des Kaninchens.

Was ist noch wissenswert?

Ca. 50% aller Heimtierkaninchen sind im Blut positiv für E. cuniculi. Klinische Symptome müssen nicht immer vorhanden sein. Die Krankheit kann aber sozusagen im Körper des Tieres schlummern und bei Stress bzw. bei Immunschwäche ausbrechen.

Wie kann ein krankes Kaninchen therapiert werden?

Je nach Symptomen können unterschiedliche Medikamente eingesetzt werden, um den erkrankten Tieren zu helfen. Dies sind Antibiotika, B-Vitamine, Medikamente zur Unterstützung und Stärkung des Immunsystems und Entzündungshemmer. Auch die Versorgung mit Flüssigkeit (Infusionstherapie) ist sehr wichtig, insbesondere bei Beteiligung der Nieren am Krankheitsgeschehen. Kaninchen mit Lähmungserscheinungen können mit Physiotherapie sehr gut unterstützt werden.
Tiere, welche sich nicht alleine bewegen können, müssen weich eingestallt und regelmässig gewendet werden.
Futter- und Wasseraufnahme müssen gut kontrolliert werden – bei Bedarf muss zwangsgefüttert werden.

Ist Encephalitozoonose für den Menschen ansteckend?

Ja, bei der Encephalitozoonose handelt es sich um eine Zoonose, eine vom Tier auf den Menschen übertragbare Erkrankung. Bis jetzt sind vor allem Berichte über Erkrankungen bei stark immunsupprimierten Personen bekannt, z.B. HIV-Patienten. Wenn normale Hygienemassnahmen eingehalten werden (Händewaschen, Händedesinfektion) ist die Gefahr einer Ansteckung äusserst gering. Lediglich bei Kleinkindern sollte berücksichtigt werden, dass das Immunsystem der Kinder noch schwächer ist und deshalb die Gefahr einer Ansteckung etwas höher liegt als beim erwachsenen Menschen.

Zahnerkrankungen beim Kaninchen

Zahnerkrankungen gehören zu den am häufigsten diagnostizierten Erkrankungen beim Kaninchen. Oft viel zu spät erkannt, erfordern Zahnfehlstellungen oder Abszesse (eitrige Entzündungen, welche sich häufig von den Zahnwurzeln her gebildet haben) oft massive operative Eingriffe bzw. können im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Tieres führen.

Anatomie

Kaninchen haben ein sogenanntes diphyodontes Gebiss. Dies bedeutet, dass ein Zahnwechsel vom sogenannten Milchgebiss zu einem bleibenden Gebiss stattfindet. Der Zahnwechsel beginnt bereits vor der Geburt und wird im Alter von ca. 4 – 5 Wochen vollständig abgeschlossen.

Das Milchgebiss des Kaninchens besteht aus insgesamt 16 Zähnen. Im Gegensatz dazu hat ein ausgewachsenes Kaninchen ganze 28 Zähne im bleibenden Gebiss. Folgende Zähne können unterschieden werden: Incisivi (= Schneidezähne), Prämolare (= vordere Backenzähne) und Molare (= hintere Backenzähne). Hinter den Schneidezähnen befinden sich noch zusätzlich im Oberkiefer die sogenannten Stiftzähnchen, deren genaue Funktion noch unklar ist.

Hier eine schematische Darstellung eines bleibenden Kaninchengebisses:

Die Schneidezähne des Kaninchens dienen vor allem dem Abbeissen der Nahrung, die Backenzähne dem Zermalmen der faserigen Futterbestandteile. Bei einem gesunden Tier beträgt das Verhältnis von Oberkiefer- und Unterkieferschneidezähnen 1:1, d.h. sie sind gleich lang. Alle Zähne des Kaninchens sind elodent (wachsen lebenslang) und haben offene Wurzeln. Das Wachstum ist beträchtlich und beträgt für die Schneidezähne ca. 3mm/Woche, für die Backenzähne ca. 2 – 3 mm/Monat. Im Alter bzw. bei Erkrankungen kann diese Zahnwachstum noch ausgeprägter sein. In unmittelbarer Nähe zu den Wurzeln der Oberkieferbackenzähne befindet sich der sogenannte Tränen-Nasen-Kanal. Bei Zahnproblemen kommt es deshalb auch oft zu einer Entzündung des Tränen-Nasen-Kanals, was Augenausfluss und eine nachfolgende Entzündung des ganzen Auges hervorrufen kann.

Wie entstehen Zahnerkrankungen?

Zahnerkrankungen entstehen sehr oft dann, wenn die Zahnabnützung durch den normalen Kauvorgang kleiner ist als das eigentliche Zahnwachstum. Mögliche Gründe hierfür sind:

  • Falsche Ernährung (rohfaserarm, mangelndes Heuangebot, zu wenig strukturiertes Frischfutter, zu viel Kraftfutter)
  • Schmerzen (z.B. Schleimhautverletzungen in der Maulhöhle durch Futterbestandteile, etc.)
  • Systemische Erkrankungen und ein damit verbundenes allgemeines Unwohlsein des Tieres (Kaninchenschnupfenkomplex, Enzephalitozoonose, Erkrankungen des Harnapparates, Erkrankungen des Geschlechtsapparates, etc.)
  • Trauma (abgebrochene Zähne nach Herunterfallen, Kieferbruch etc.)
  • genetische Ursachen (Zahnfehlstellung, z.B. durch Verkürzung des Oberkiefers)

All diese Gründe führen dazu, dass die Zähne und die dazugehörenden Zahnwurzeln immer länger werden bzw. dass sich Zahnspitzen ausbilden, die ihrerseits wieder Schleimhautverletzungen und Schmerzen verursachen können.

Welche Symptome können auf eine Zahnerkrankung hindeuten?

Kaninchen mit Zahnerkrankungen versuchen zu fressen, können aber oft nicht mehr, wenn die Veränderungen zu ausgeprägt sind. Häufig wird harte Nahrung vermieden, während weiche Nahrung (z.B. Salat) noch über einen gewissen Zeitraum gefressen werden kann. Speicheln, Zähneknirschen, vermehrtes Trockenkauen, und ein vermehrtes Benagen von Gegenständen können auf ein Zahnproblem hindeuten. Bei Abszessen treten oft Schwellungen im Bereich des Ober- bzw. Unterkiefers auf. Betroffene Tiere nehmen innerhalb kürzester Zeit massiv an Gewicht ab. Da das Futter aufgrund des Zahnproblems oft nicht mehr ausreichend zerkleinert werden kann, entstehen sehr häufig zusätzlich Verdauungsprobleme (Durchfall, Aufgasung des Magen-Darm-Traktes, Verstopfung etc).

Was kann man im Fall einer Zahnerkrankung tun?

Sollte der Verdacht einer Zahnerkrankung nahe liegen, wird zunächst in der klinischen Untersuchung der Allgemeinzustand des Kaninchens untersucht. Die Zahnuntersuchung im wachen Zustand gibt eine erste Information über Form, Farbe und Länge der Schneideund Backenzähne. Mithilfe spezieller Instrumente (Otoskop, Endoskop) können auch weit in der Maulhöhle liegende Bereiche untersucht werden. Röntgenaufnahmen des Schädels können helfen, Knochenveränderungen bzw. Erkrankungen der Zahnwurzeln sichtbar zu machen, die bei einer rein klinischen Untersuchung verborgen bleiben. Sollten nun wirklich Veränderungen an den Zähnen vorliegen, so können diese unter Narkose korrigiert werden. Für die Zahnkorrektur wird eine möglichst schonende Narkose ausgewählt, die das bereits geschwächte Tier möglichst nicht zusätzlich belastet. Zum Teil können auch lokale Narkosen eingesetzt werden. Mithilfe spezieller Geräte (Zahnschleifgerät, Diamantschleifköpfe) werden zu lange Zähne gekürzt und in Form geschliffen. Lockere Zähne müssen je nach Krankheitsschwere gezogen und die Wundhöhlen versorgt werden.

Jeder Zahnpatient sollte mit Schmerzmitteln und bei Bedarf mit weiteren Medikamenten
(Antibiotika, lokale Desinfektionsmittel etc.) behandelt werden.

Was kann man vorbeugend gegen Zahnerkrankungen beim Kaninchen tun?

Der wichtigste Punkt, um Zahnerkrankungen beim Kaninchen vorzubeugen ist eine korrekte Fütterung. Eine für ein Kaninchen ausgewogene Futterration besteht aus:

  • Hochwertigem Heu, darf in beliebiger Menge angeboten werden
  • Frischfutter (2 x täglich, mit möglichst grossem Gehalt an strukturierter Rohfaser, z.B.
    Gras, Löwenzahn, Möhrengrün, Salate, Kräuter etc.)

Bei einer korrekten Fütterung benötigen Kaninchen kein Kraftfutter! Durch das Zermalmen von hochwertigem Heu und rohfaserreichen Futtermitteln werden die Zähne des Kaninchens durch die Kaubewegungen automatisch abgeschliffen. Ein Vorgang, der bei einer Fütterung mit Kraftfutter komplett fehlt! Besser geeignet als Körnermischungen sind pelletierte Futtermittel, die keine bzw. nur sehr wenig Getreideanteile enthalten. Kraftfutter sollte falls überhaupt nur in sehr kleinen Mengen (max. 1 Esslöffel pro kg Körpergewicht 1 x täglich) angeboten werden. Brot, Leckerli oder Knabberstangen sind keine adäquate Ernährung für Kaninchen und können zu Problemen der empfindlichen Darmflora führen. Um Zahnerkrankungen möglichst früh zu erkennen, ist es ratsam alle Tiere einmal wöchentlich zu wiegen und das Gewicht in einer Tabelle zu notieren. Des Weiteren sollten einmal pro Woche die Schneidezähne durch Anheben der Oberlippe auf Länge und korrekte Stellung kontrolliert werden.

Bei Kaninchen Krankheitsanzeichen frühzeitig erkennen

Tipps, wie Sie zu Hause überprüfen können, ob es Ihrem Kaninchen gut geht!

Sie haben Kaninchen als Haustiere und möchtest mehr für die Gesundheit Ihrers Tieres tun?
Sie möchtest wissen, wie Sie mögliche Krankheitsanzeichen frühzeitig erkennen können?
Dann sind Sie hier richtig!

Folgende Tipps sollen Ihnen dabei helfen, Gesundheitsprobleme bei Ihren Tieren schneller zu erkennen.

1) Kontrolle der Nase
Nase trocken? Sauber? Nasenausfluss vorhanden? Niesen?

2) Kontrolle der Augen
Augen klar? Sauber? Augenausfluss oder Trübungen im Auge vorhanden?

3) Kontrolle der Zähne/des Kiefers
Stellung der Schneidezähne normal? Speicheln?
Umfangsvermehrungen am Kiefer tastbar?

4) Kontrolle der Ohren
Ohren sauber? Krustiges Material in den Ohren vorhanden? Ausfluss sichtbar?

5) Kontrolle von Haut und Fell
Fell glänzend? Haarlose Stellen sichtbar? Parasiten im Fell sichtbar?
Knoten in der Haut sichtbar/tastbar?

6) Kontrolle der Krallen
Krallen zu lang? Druckstellen an den Pfötli?

7) Kontrolle der Analregion
Analregion sauber? Verklebt?

8) Kontrolle von Urin- und Kotabsatz
Kot normal geformt? Durchfall?
Urin normal gefärbt?

Wenn Sie Ihrem Kaninchen in regelmässigen Abständen untersuchen, wird es Ihnen immer leichter fallen abzuschätzen, ob etwas mit Ihrem Tieren nicht mehr stimmt oder ob alles in Ordnung ist.

Zusätzlich zu den oben erwähnten Punkten sollten Sie eine regelmässige Gewichtskontrolle (Gewicht unbedingt auf einem Zettel/in einem Büchlein notieren) durchführen, um feststellen zu können, ob Ihre Kaninchen zu- oder abgenommen haben.

Kaninchen, die apathisch wirken, nur noch herumliegen, nicht zur Fütterung kommen oder Probleme beim Fressen (seltsames Kauen, Zähneknirschen) zeigen, sollten unbedingt einem kaninchenkundigen Tierarzt vorgestellt werden.

Ganz viel Freude mit Ihren Tieren wünscht Ihnen von Herzen ExoticVet!

Eierstockzysten bei Meerschweinchen

Ovarialzysten (Eierstockzysten)

– oder: „Das stille Leiden der Meerschweinchen“

Was versteht man unter Ovarialzysten?

Ovarialzysten (Eierstockzysten) sind flüssigkeitsgefüllte, mit einer epithelialen Membran begrenzte Hohlräume, die sich aus verschiedenen Anteilen des Ovars (Eierstock) im Bauch des Meerschweinchens entwickeln können.
Je nach Ursprungsort lassen sich 3 verschiedene Arten von Zysten unterscheiden: Follikelzysten, Lutealzysten und Retezysten.

Wann treten Ovarialzysten typischerweise auf und was ist die genaue Ursache für die Entstehung von Ovarialzysten

Meistens erkranken mittelalte bis ältere weibliche Meerschweinchen. Die genaue Ursache für die Entstehung von Eierstockzysten ist unbekannt. Man geht jedoch davon aus, dass es im Körper des Meerschweinchens zu einer fehlerhaften Regulierung bzw. Ausschüttung von Hormonen kommt.

Welche Symptome zeigen erkrankte Meerschweinchen?

Erkrankte Meerschweinchen zeigen anfangs oft noch keine nennenswerten klinischen Symptome. Werden die Eierstockzysten im Bauch der Tiere über Wochen und Monate jedoch grösser und grösser, so kann es zu einer Verdrängung anderer Organe, v.a. zur Verdrängung des Darmtraktes kommen. Betroffene Meerschweinchen magern kontinuierlich ab und zeigen häufig Verdauungsprobleme (Durchfall, etc.).

Eierstockzysten können, müssen aber nicht hormonbildend sein. Vor allem kleinere Zysten sind häufig hormonell aktiv und produzieren in unterschiedlichem Masse Östrogen und Progesteron. Ein hoher Östrogenspiegel kann zu Alopezie (Fellverlust, v.a. im Bereich der Flanken) und im schlimmsten Fall zu Blutarmut (Knochenmarkssuppression) führen.

Wie können Ovarialzysten diagnostiziert werden?

Grössere Eierstockzysten können oft schon während der Allgemeinuntersuchung des Meerschweinchens durch Abtasten des Bauches diagnostiziert werden. Auch auf Röntgenbildern stellen sich Zysten als rundliche Gebilde im Abdomen (Bauch) dar. Besser und sicherer im Zweifelsfall ist jedoch eine Ultraschalluntersuchung.

Bei meinem Meerschweinchen wurden Ovarialzysten diagnostiziert – was kann man nun für das Tier tun?

Eine Therapie richtet sich immer nach dem Zustand des kleinen Patienten, nach der Ausprägung vorhandener Zysten bzw. nach den durch die Zysten verursachten Symptomen. Liegen kleine, hormonell aktive Zysten vor (Tier zeigt klinische Symptome wie Haarverlust, etc.), so kann eine hormonelle Therapie mit einem sogenannten HCG-Präparat versucht werden. Das Meerschweinchen bekommt im Abstand von 10 Tagen 3 x eine Spritze mit einem HCG-Präparat unter die Haut gespritzt. Damit kann z.B. oft der Haarverlust in der Flankenregion rückgängig gemacht werden. Auch einer Neubildung von weiteren Zysten wird so evtl. entgegengewirkt. Bereits vorhandene Zysten können jedoch mit diesen Injektionen nicht „weggespritzt“ werden.

Sind die Zysten grösser bzw. hat das Meerschweinchen ausgeprägte klinische Symptome (Abmagerung, Verdauungsprobleme), so ist oft eine Kastration die einzige Möglichkeit, um dem Tier wieder ein normales Leben ohne Schmerzen zu ermöglichen. In einer Operation unter Vollnarkose werden sowohl beide Eierstöcke mit Zysten, als auch die Gebärmutter entfernt. Wichtig bei einer Operation ist die sorgfältige Auswahl einer geeigneten Narkose, eines geeigneten und ausreichenden Schmerzmittels, Flüssigkeitstherapie via Venenkatheter und eine permanente Überwachung des Patienten mit Sauerstoffmessgerät, EKG, Temperaturmesser, usw. Auch die Aufwachphase nach einer Operation ist kritisch – die kleinen Patientinnen sollten gut überwacht, gewärmt und bei Bedarf zwangsgefüttert werden. Antibiotika, Schmerzmittel und Probiotika zur Unterstützung der Magen-Darm-Flora müssen über mehrere Tage verabreicht werden.

Sollte eine Operation trotz ausgeprägter Zysten aus welchem Grund auch immer nicht möglich sein, so kann auch versucht werden, unter Ultraschallkontrolle grosse Zysten zu punktieren, d.h. mit einer Spritze Flüssigkeit aus den Zysten zu ziehen.

Bei beiden letztgenannten Möglichkeiten (Operation, Punktion von Zysten) muss äusserst sorgfältig und steril gearbeitet werden, damit keine Infektionen im Bauchraum entstehen können.

Kastration bei weiblichen Kaninchen

Kastration (Ovariohysterektomie) bei weiblichen Kaninchen

– Warum eine Operation Leben retten kann!

Immer wieder werde ich in der Sprechstunde gefragt, ob auch weibliche Kaninchen kastriert werden sollten und welche Gründe für diese Operation sprechen. Diese Frage kann ich ganz eindeutig mit „ja“ beantworten und es ist mir wirklich ein Anliegen, möglichst viele Kaninchenbesitzer über dieses wichtige Thema zu informieren.

Es gibt verschiedene wissenschaftliche Studien, die eigentlich alle zum gleichen Ergebnis kommen. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein weibliches Kaninchen im Laufe seines Lebens an einer Gebärmuttererkrankung leiden wird, ist überdurchschnittlich hoch.

Bereits bei sehr jungen Kaninchen (< 1 Jahr) ist die Gebärmutterschleimhaut häufig verändert – unter dem Einfluss der Hormone Östrogen und Progesteron wird die Gebärmutterschleimhaut bei sexuell aktiven Kaninchen verdickt (Hyperplasie der Endometriumschleimhaut), die Drüsen der Gebärmutter (Uterindrüsen) produzieren mehr Sekret. Das Gebärmuttergewebe wird vermehrt durchblutet, das Gewebe deshalb insgesamt anfälliger für starke Blutungen. Im schlimmsten Fall kann sich Blut in der Gebärmutter ansammeln und zu Problemen führen (Hämometra). Auch Schleim bzw. wässriges Sekret kann sich in der Gebärmutter ansammeln (Mukometra, Hydrometra).

Aus der oben genannten „endometrialen Hyperplasie“ (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) können sich im Laufe der Zeit auch Tumore entwickeln. Diese werden dann in der Regel bei ca. 4 – 5 Jahre alten Kaninchen diagnostiziert. Meistens handelt es sich um sogenannte Adenokarzinome (bösartige Tumore, die sich aus Drüsengewebe entwickeln). Im fortgeschrittenen Stadium können diese Tumore Ableger in der Lunge oder auch in anderen Organen verursachen.

Viele Kaninchen zeigen zunächst keine deutlichen Krankheitssymptome. Manchmal fallen nur Verhaltensveränderungen auf, bedingt durch die hormonellen Veränderungen im Körper (Aggressivität gegenüber den Partnertieren bzw. gegenüber den Besitzern, Apathie, etc.). Manchmal entwickelt sich ein blutig-schleimiger Ausfluss aus der Scheide.

Scheinträchtigkeiten mit Nestbau und Milchproduktion können ebenfalls Hinweise auf eine mögliche Gebärmuttererkrankung geben. Wenn sich ein Tumor entwickelt hat, leiden betroffene Kaninchen oft an Verdauungsstörungen oder Bauchschmerzen, da durch den immer grösser werdenden Tumor z.B. Darmschlingen im Bauchraum verdrängt werden.

Eine Diagnose bei allen Gebärmuttererkrankungen kann mit Hilfe der klinischen Allgemeinuntersuchung (gründliches Abtasten des Bauchraumes), Röntgen bzw. mit einer Ultraschalluntersuchung gestellt werden. Die Ultraschalluntersuchung bietet mit Sicherheit den Vorteil, dass auch geringe Flüssigkeitsansammlungen in der Gebärmutter erkanntwerden können. Bei starken Blutungen ist es zudem wichtig zu kontrollieren, ob das erkrankte Kaninchen bereits an einer Anämie (Blutarmut) leidet.

Einzig sinnvolle Behandlungsmöglichkeit ist den meisten Fällen die sogenannte Ovariohysterektomie (vollständige Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter). War diese Operation früher noch sehr risikoreich (v.a. aufgrund der oft schlecht verträglichen Narkosemittel), gibt es heute zum Glück sehr schonende Narkoseprotokolle, mit deren Hilfe die Tiere gut schlafen und keine Schmerzen haben. Entscheidend ist auch, dass die betroffenen Tiere während der Operation Infusionen (Flüssigkeitstherapie) und eine angemessene Schmerzbehandlung bekommen. Durch die Gabe von Infusionsflüssigkeit in eine Vene wird der Kreislauf stabilisiert, was massgeblich dazu beiträgt, dass ein Tier die Operation besser übersteht. Es versteht sich von selbst, dass die Operation so steril wie möglich durchgeführt werden muss (sterile Operationsabdeckung, sterile Handschuhe, OP-Mantel), um jegliche Infektionen zu vermeiden.

Wenn weibliche Kaninchen bereits in jungen, gesunden Jahren (1 – 2 jährig) vorbeugend operiert werden, lassen sich spätere Erkrankungen vermeiden. Narkosen sind bei jungen Tieren ausserdem besser verträglich als bei älteren oder erkrankten Kaninchen.

Nach der Operation ist eine gute Schmerzbehandlung, evtl. eine antibiotische Behandlung und eine sorgfältige Kontrolle des betroffenen Kaninchens unglaublich wichtig. Manchmal muss in den ersten Tagen nach einer Operation zwangsgefüttert werden, wenn operierte Tiere noch nicht von alleine die „normale“ Futtermenge aufnehmen können. Die Operationswunde muss unbedingt täglich gut kontrolliert werden, operierte Tiere müssen möglichst sauber eingestallt werden (z.B. auf Frotteetüchern), damit kein Schmutz (Einstreu usw.) in die Wunde gelangen kann.

Mycoplasma agassizii bei Landschildkröten

Infektionen mit Mycoplasma agassizii bei Landschildkröten

– Upper Respiratory Tract Disease

Es ist allgemein bekannt, dass Landschildkröten an Herpesvirusinfektionen erkranken und im schlimmsten Fall sogar sterben können. Dass es jedoch auch noch andere, ansteckende Schildkrötenerkrankungen gibt, die ebenfalls nicht heilbar sind und leicht in einen gesunden Schildkrötenbestand eingeschleppt werden können, ist leider nach wie vor oft unbekannt.

Diese Information soll einen Überblick über die sogenannte Mycoplasma agassizii – Infektion bei Landschildkröten geben.

Was sind Mycoplasmen?

Mycoplasmen sind kleine, zellwandlose Bakterien, die sich wie Viren in ihre Wirtszellen zurückziehen können.

Welche Symptome können durch Mycoplasmen (insbesondere durch Mycoplasma agassizii) hervorgerufen werden?

Mycoplasmen können Infektionen der oberen Atemwege bei Landschildkröten hervorrufen. Zu Beginn der Erkrankung fallen vor allem laute Atemgeräusche und Nasenausfluss bei betroffenen Tieren auf. Der Nasenausfluss ist am Anfang noch klar, kann zu einem späteren Zeitpunkt aber dickflüssig und eitrig werden. Oft bilden sich auch sogenannte Bläschen an den Nasenlöchern. Erkrankte Tiere haben zusätzlich oft tränende Augen, geschwollene Augenlider und Bindehautentzündungen. In der Maulhöhle wird vermehrt Speichel produziert bzw. sammelt sich dort Schleim an, der aus den Nasenhöhlen stammt. Oft ist das Allgemeinbefinden der Tiere zu diesem Zeitpunkt noch ungestört.

Bei chronisch kranken Tieren werden die oben beschriebenen Symptome immer schlimmer – z.T. zeigen betroffene Tiere hochgradige Atemnot mit deutlich hörbaren, lauten Atemgeräuschen und Maulatmung. Die Nasenlöcher können in diesen Fällen verfärbt (Verlust von Pigment) bzw. verformt sein. Die Entstehung einer Lungenentzündung

ist möglich. Schwer kranke Tiere nehmen kein Futter mehr auf und werden immer inaktiver. Im schlimmsten Fall kann eine Mycoplasmeninfektion unbehandelt zum Tod des erkrankten Tieres führen.

Wie kann eine Infektion mit Mycoplasma agassizii diagnostiziert werden?

Durch die klinische Untersuchung kann der Tierarzt bereits die Verdachtsdiagnose einer Mycoplasma agassizii – Infektion stellen.

Anhand einer Tupferprobe aus der Maulhöhle können Mycoplasman dann im spezialisierten Labor durch eine spezielle Diagnostikmethode (PCR) nachgewiesen werden.

Röntgenbilder bzw. eine endoskopische Untersuchung können in schweren Fällen notwendig sein, um eine Pneumonie (Lungenentzündung) nachzuweisen. Diese wird nicht unbedingt nur durch Mycoplasmen, sondern in chronischen Fällen zusätzlich durch Sekundärerreger (andere Bakterien oder auch Pilze) verursacht.

Wie können erkrankte Tiere behandelt werden?

Erkrankte Tiere sollten sofort vom restlichen Bestand separiert werden. Haltungsbedingungen (Gehege, Fütterung, Temperatur, usw.) sollten (sofern noch nicht ideal) optimiert werden, um jegliche Stressfaktoren ausschliessen zu können.

Geeignete Antibiotika können helfen, die durch die Infektion hervorgerufenen Symptome zu lindern. Mit Nasenspülungen kann auch zäher Schleim vorsichtig aus den Nasenlöchern gespült werden. Sollten Pilze als Sekundärerreger am Infektionsgeschehen beteiligt sein, müssen evtl. noch zusätzlich Pilzmittel eingegeben werden.

Wie ist die Prognose für erkrankte Tiere?

Trotz Gabe von Antibiotika können betroffene Tiere nicht vollständig geheilt werden und bleiben lebenslang Krankheitsträger! In Stresssituationen können deshalb jederzeit wieder Atemwegssymptome auftreten. Betroffene Tiere sollten aus Zuchtgruppen entfernt und von gesunden Tieren isoliert gehalten werden.

Wie kann ich meinen Schildkrötenbestand schützen?

Mycoplasma agassizii – Infektionen werden oft durch Neuzugänge in gesunde Bestände eingeschleppt! Neue Tiere sollten deshalb immer zunächst in Quarantäne gehalten werden. Das Quarantäneterrarium bzw. -gehege sollte wenn möglich in einem anderen Raum als die anderen Terrarien bzw. Gehege untergebracht sein. Die Tiere sollten auf Herpesviren, Mycoplasmen und auf Parasitenbefall untersucht werden, bevor sie in den eigenen Bestand gegeben werden.

Knochenstoffwechselstörung (MBD) bei Reptilien

Zu Gast bei Dr. med. vet. Olga Martin, Natural Vet Care. Erfahren Sie im Interview mehr über das Thema Knochenstoffwechselstörungen bei Reptilien. Original Beitrag hier

Podcast 3, Interview mit Morena Wernick

 

Wie entsteht MBD?

Reptilien mit Knochenstoffwechselstörungen werden sehr häufig in der tierärztlichen Praxis vorgestellt. Ursache für die Entstehung von MBD ist eine Störung des Kalziumhaushaltes (Ca).

Diese Störung kann aus folgenden Gründen entstehen: Kalzium- bzw. Vitamin-D-Mangel im Futter, ungünstiges Kalzium-Phosphor-Verhältnis im Futter und/oder Mangel an UVB-Strahlung (z.B. bei reiner Wohnungshaltung ohne UV-Lampe). Auch Nierenerkrankungen, eine Nebenschilddrüsenüberfunktion oder eine schwere Darmentzündung (z.B. bei Parasitenbefall) können eine Knochenstoffwechselstörung hervorrufen.

Knochen enthält ca. 99% des Gesamtkalziumsgehaltes des Körpers und dient als wichtiger Speicher. Eine bestimmte Blutkonzentration von Kalzium muss stets aufrechterhalten werden, um Abläufe des Muskel- und Nervensystems zu gewährleisten. Durch verschiedene Hormone und Vitamin D-3 (verantwortlich für die Kalziumaufnahme im Darm) wird der Kalziumstoffwechsel permanent reguliert und bei Bedarf Kalzium aus dem Knochen freigesetzt. MBD entsteht vor allem bei Jungtieren, bei denen die Kalziumzufuhr über die Nahrung nicht ausreicht, um die Knochenspeicher wieder aufzufüllen.

Welche Krankheitsanzeichen sind typisch für MBD?

An MBD erkrankte Reptilien sind häufig sehr schwach und können sich nicht mehr richtig fortbewegen. Ober- und Unterkiefer können aufgetrieben, weich und verformbar sein, die Futteraufnahme wird dadurch erschwert. Da Kalzium aus dem Knochenspeicher resorbiert (entzogen) wird, um den Blutkalziumspiegel aufrecht zu erhalten, nimmt die Festigkeit der Knochen des Skeletts ab. Davon sind bei Echsen vor allem die „langen“ Knochen (Oberarm- bzw. Oberschenkelknochen) betroffen. Schildkröten haben häufig einen sehr weichen, eindrückbaren Panzer.

Bindegewebe wird als Verstärkung um die „geschwächten“ Knochen angelagert („Osteodystrophia fibrosa“). Trotz dieser Anlagerung ist die Qualität der Knochen schlecht, es kann zu spontanen Brüchen kommen.

Eine Blutuntersuchung (Messung vom Kalzium und Phosphor im Blut) und eine Röntgenuntersuchung können wertvolle Hinweise dafür geben, ob Ihr Tier an einer MBD erkrankt ist. Auf Röntgenaufnahmen ist die Knochendichte häufig vermindert, eventuell können durch MBD bedingte Fehlstellungen bzw. Brüche festgestellt werden. Informationen über Fütterung und Haltung sind ebenfalls sehr wichtig und können wertvolle Hinweise auf eine mögliche Erkrankung geben.

Wie kann eine MBD behandelt werden?

Ausschlaggebend für die Behandlung einer MBD ist eine Verbesserung der Fütterungs- und Haltungsbedingungen. Eine ausgewogene und der jeweiligen Reptilienart angepasste Fütterung ist entscheidend. Futtermittel mit einem schlechtem Kalzium-Phosphor-Verhältnis (z. B. Kopfsalat, Tomaten) sollten unbedingt vermieden werden. Sollte Ihr Tier nicht mehr in der Lage sein, alleine zu fressen, muss es gegebenenfalls mit einer Sonde zwangsernährt werden.

Da Vitamin D-3 nur mit Hilfe von UV-Strahlung vom Tier selbst gebildet werden kann, muss eine gute Beleuchtung mit UV-Licht stets gewährleistet sein (Sonnenlicht, UV-Lampen bei Wohnungshaltung im Terrarium). Wichtig ist dabei, dass UV-Strahlen durch Glas (z.B. Fenster) herausgefiltert werden und dem Tier somit nicht mehr zur Verfügung stehen. Die Lebensdauer von UV-Lampen ist sehr begrenzt, viele Lampen müssen bereits nach einem halben Jahr ausgetauscht werden.

Die Therapie einer MBD ist langwierig und für den Besitzer mit viel Aufwand und der dafür nötigen Geduld verbunden. Die Prognose hängt vom Grad der Erkrankung ab und kann bei fortgeschrittener Erkrankung vorsichtig sein.

Was kann man bereits vorbeugend gegen MBD tun?

Eine artgerechte Haltung und Fütterung beugt MBD vor. Pflanzliche Futtermittel mit einem ausgewogenem Kalzium-Phosphor-Verhältnis sollten bevorzugt werden (z.B. Löwenzahn, Lattich, Rucola, Endiviensalat…). Im Gegensatz dazu sollten Futtermittel mit einem schlechten Kalzium-Phosphor-Verhältnis vermieden werden (Kopfsalat, Tomate, viele Früchte…). Mineral- und Vitaminpulver können helfen, Mangelerscheinungen vorzubeugen. Achtung: auch eine Überversorgung mit Vitaminpräparaten kann Krankheiten hervorrufen.

IBD bei Schlangen

Was versteht man unter der Inclusion Body Disease (IBD)?

Unter Inclusion Body Disease (Einschlusskörperchenkrankheit) versteht man eine der bedeutendsten Viruserkrankungen bei Schlangen. Von der Erkrankung können alle Schlangen der Familie Boidae betroffen sein. Besonders häufig erkranken Boa constrictor (Boa constrictor constrictor) und Tigerpython (Python molurus bivitattus).

Der Name IBD (Inclusion Body Disease) leitet sich von den charakteristischen Einschlusskörperchen ab, welche bei erkrankten Tieren in Blut- bzw. Nervenzellen, z.T. auch in Zellen von Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse nachgewiesen werden können. Obwohl die meisten der erkrankten Tiere zur Familie Boidae gehören, wurden auch bei anderen kranken Schlangen Einschlusskörperchen entdeckt (z.B. bei Palmlanzenottern).

Welches Virus ruft die Inclusion Body Disease hervor?

In den Jahren 2012 und 2013 konnten verschiedene Arenaviren (RNA-Viren) von Forschungsgruppen bei an IBD erkrankten Tieren isoliert werden, die mit dem Auftreten der Inclusion Body Disease in Zusammenhang stehen.

Welche Symptome zeigen an IBD erkrankte Schlangen?

An IBD erkrankte Schlangen zeigen häufig Symptome des zentralen Nervensystems wie Kopfzittern, Anheben des Kopfes in einer unnatürlichen Haltung („Sterngucken“), herabgesetzte Intensität des Züngelns, Inkoordination, Lähmungen oder allgemeine Schwäche der Muskulatur.

Boas würgen häufig ihr Futter wieder aus („Regurgitieren“) oder verlieren über einen längeren Zeitraum stetig an Gewicht.

Wenn die Erkrankung weiter fortschreitet, kommen häufig noch andere Krankheitssymptome hinzu. Oft sind dies Krankheiten des Atmungstrakts (Atemnot, vermehrte Schleimbildung in der Maulhöhle, Lungenentzündung), Stomatitis (Entzündung der Maulschleimhaut) oder Dermatitis (Entzündung der Haut allgemein). Auch die Bildung von Tumoren wird immer wieder in Zusammenhang mit IBD gebracht, ist bis jetzt aber nicht eindeutig bewiesen.

Bei schwer erkrankten Schlangen funktioniert der sogenannte Umkehrreflex nicht mehr. Das heisst, dass betroffene Tiere nicht mehr in der Lage sind sich umzudrehen, wenn sie mit der Bauchseite nach oben auf einen festen Untergrund gelegt werden.

Wie kann IBD übertragen werden?

IBD kann durch direkten Kontakt übertragen werden. Auch Schlangenmilben stehen nach wie vor in Verdacht, Viren von Tier zu Tier übertragen zu können.

Mangelnde Hygienemassnahmen (fehlende Händedesinfektion beim Handling mehrere Tiere) kann dazu führen, dass sich die Erkrankung in einem Bestand sehr schnell ausbreiten kann. Muttertiere übertragen evtl. Viren direkt auf ihre Jungtiere.

Schlangen können Träger von Viren sein, ohne sofort Symptome einer Erkrankung zu zeigen. Durch Tiere, die ohne Quarantäne direkt in einen Bestand verbracht werden, kann IBD ebenfalls schnell in einen vorher gesunden Bestand eingeschleppt werden und fatale Folgen mit sich bringen. Alle Reptilien sollten mindestens 3 Monate lang in Quarantäne gehalten werden, bevor sie in einen neuen Bestand verbracht werden. Vor allen in der amerikanischen Literatur wird empfohlen, diese Zeitspanne für Boas und Pythons auf 6 Monate zu verlängern.

Wie kann die Diagnose „IBD“ beim Tierarzt gestellt werden?

Erste Hinweise für eine mögliche Erkrankung können oft schon bei der klinischen Untersuchung festgestellt werden.
Bei einer Blutuntersuchung können manchmal bereits Einschlusskörperchen in Blutzellen nachgewiesen werden.
Auch Gewebeproben (z.B. Probenentnahmen der Leber) können Einschlusskörperchen enthalten.
Ganz neu können mit Hilfe einer sogenannten PCR (Polymerase-Kettenreaktion) Abstriche aus der Maulhöhle (Rachen), Blut und Gewebeproben (Leber, Bauchspeicheldrüse, Niere, Gewebe des zentralen Nervensystems) auf Arenaviren untersucht werden. Das Testergebnis liegt nach ca. 3 Tagen vor.

Ist Inclusion Body Disease heilbar?

Zum momentanen Zeitpunkt gibt es leider keine Behandlungsmöglichkeit gegen IBD, die zu einer Heilung betroffener Tiere führt. Möglich ist allenfalls eine unterstützende Therapie mit Flüssigkeitstherapie, künstlicher Ernährung und Antibiotikatherapie, um bereits vorliegende Symptome zu lindern. In einem Bestand ist es schwierig betroffene Tiere zu behandeln, da die Ansteckungsgefahr für die verbliebenen gesunden Tiere sehr hoch ist. Oft ist deshalb das Einschläfern des erkrankten Tieres die einzige Möglichkeit.

Wie können Schlangen vor einer Ansteckung geschützt werden?

Wie bei allen ansteckenden Erkrankungen ist Hygiene am allerwichtigsten, um eine Ausbreitung der Erkrankung in einem Bestand zu verhindern (Händedesinfektion, Infektion von Terrarien usw.).
Quarantänemassnahmen wie bereits oben beschrieben verhindern, dass Viren von erkrankten Tieren in gesunde Bestände eingeschleppt werden.

Federrupfen bei Papageienvögeln

Viele unterschiedliche Erkrankungen bzw. Verhaltensprobleme können Federrupfen bei Papageienvögeln hervorrufen. Betroffen sind nicht nur grössere Arten wie z.B. der Graupapagei, sondern auch kleinere Vertreter wie Wellensittiche und Nymphensittiche. Hat das Federrupfen einmal begonnen, lassen sich viele Patienten nur schwer wieder davon abbringen. Vor allem, weil die eigentliche Ursache für den Beginn des Federrupfens oft nicht gefunden wird.

Federrupfen kann in verschiedene Schweregrade (leicht, mittel, schwer) eingeteilt werden. Beim „leichten“ Federrupfen kaut der Vogel auf einzelnen Federn bzw. an den Flügelspitzen herum. Bei einem mittleren Erkrankungsgrad werden mehrere Federn komplett ausgerissen und zerstört, wobei kahle Stellen am ganzen Körper (v.a. an der Brust) entstehen können. Die schlimmste Stufe, die sogenannte „Automutilation“ (Selbstverletzung) geht mit hochgradigen Hautverletzungen und schwersten Infektionen einher, die im schlimmsten Fall zum Tod des Vogels führen können. Papageien haben spezielle Ansprüche an Haltung und Ernährung, die zu Hause oft nur schwer umgesetzt werden können. Falsche Haltungsbedingungen führen zu Frustration und Langeweile bei unseren gefiederten Kameraden und begünstigen die Entstehung des Federrupfens.

Die folgende Zusammenfassung soll Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Ursachen fü Federrupfen/Federverlust geben.

1) Infektionskrankheiten (PBFD/Polyoma)

A) PBFD = Psittacine Beak and Feather Disease
Erreger: Circovirus Ausscheidung über Kropfsekret, Kot, Federstaub Symptome: durch die Schädigung von Federfollikeln (Wachstumsort der Federn) fallen Federn symmetrisch aus, das Federwachstum ist gestört; an den Federkielen können z.T. ringförmige Einschnürungen festgestellt werden, an welchen die Federn abbrechen; auch das Wachstum und die Hornqualität von Schnabel und Krallen wird negativ beeinflusst; akuter Verlauf mit plötzlichen Todesfällen möglich.

B) Polyomavirusinfektion (Französische Mauser, Rennerkrankheit)
Erreger: Polyomavirus, häufige Erkrankung bei Wellensittichen und Agaporniden. Ausscheidung über Kot und Federstaub Symptome: alters- und speziesabhängig unterschiedlicher Verlauf möglich;
Plötzliche Todesfälle bei Nestlingen mit Blutungen in der Unterhaut und an
Federfollikeln; Chronische Verläufe bei älteren Tieren mit Ausfall von Schwungfedern und
Schwanzfedern; nachwachsende Federn sind oft von schlechter Qualität und
können eine Flugunfähigkeit hervorrufen;

Diagnose: bei beiden Erkrankungen kann ein Virusnachweis aus Federmaterial bzw.
Blut erfolgen (PCR-Nachweis);
Therapie: für beide Erkrankungen ist zurzeit keine Therapie vorhanden;
Begleiterkrankungen können symptomatisch behandelt werden;

2) Metabolische Erkrankungen

Besonders Lebererkrankungen können Haut- und Gefiederveränderungen bei Papageienvögeln hervorrufen. Bekannt sind Farbveränderungen bei Graupapageien (graue Federn -> rote Verfärbung) bzw. bei Amazonen (grüne Federn -> dunkle Verfärbung). Die Ablagerung von irritierenden Gallensalzen unter der Haut führt zu hochgradigem Juckreiz, welcher wiederum Federrupfen auslösen kann. Eine gestörte Mauser bzw. übermässig schnelles Wachstum von Schnabelhorn und Krallen sind häufige Begleiterscheinungen von Lebererkrankungen. Leberschäden entstehen oft durch eine zu fette und einseitige Ernährung (Körnerfutter, selektive Futteraufnahme des Vogels) bei nicht ausreichender Bewegung. Eine Nahrungsumstellung auf ein ausgewogenes Pelletfutter mit ausreichendem Obst- und Gemüsezusatz bzw. die Verabreichung von leberunterstützenden Medikamenten kann helfen, entsprechende Symptome zu lindern bzw. rückgängig zu machen. Eine Lebererkrankung kann mit Hilfe eine Blutprobe diagnostiziert werden. Vergiftungen mit Schwermetallen (Blei, Zink) können ebenfalls Pigmentstörungen (z.B. Schwarzverfärbung des Gefieders beim Graupapagei) bzw. Federrupfen hervorrufen.

Auch eine Nikotinvergiftung durch passives Rauchen kann Einfluss auf das Gefieder haben. Schwermetalle lassen sich bei akuten Vergiftungen (z.B. beim Verschlucken von bleihaltigen Gegenständen) röntgenologisch bzw. bei chronischen Vergiftungen durch Bluttests nachweisen. Eine sofortige Therapie mit Medikamenten ist dann
unerlässlich.

3) Ernährungsbedingte Erkrankungen

Wie auch beim Menschen hat eine gesunde Ernährung Einfluss auf alle Organsysteme. Haut und Gefieder spiegeln Nährstoff- und Mineralstoffmangel beim Vogel direkt wieder (vergleichbar zu Haut und Haar beim Menschen). Viele Papageienvögel sind Experten in den sogenannten selektiven Futteraufnahme (Heraussuchen des bevorzugten Futtermittels aus einer Körnermischung, z.B. alleinige Aufnahme von Sonnenblumenkernen und Nüssen aus Körnermischungen). Dieses Herausfiltern der fettreichen und vitaminarmen Lieblingsnahrung führt zu einer Mangelernährung, welche schwerstwiegende Erkrankungen auslösen kann. Vitamin A, Aminosäuren, Mineralstoffe wie Calcium und Magnesium sind nur einige Komponenten, die einen grossen Einfluss auf Hautund Gefiederqualität haben. Die Verwendung von Pelletfutter wirkt dieser selektiven Futteraufnahme entgegen (bitte beachten Sie dazu das Merkblatt „Zeitgemässe Fütterung von Papageienvögeln“).

4) Hormonelle Erkrankungen

Verschiedene hormonelle Erkrankungen ( z.B. zystische Veränderungen des Eierstocks und Legedarmentzündungen beim weiblichen Vogel bzw. Tumorerkrankungen des Geschlechtsapparats beim weiblichen und männlichen Vogel) können Federrupfen hervorrufen. Eine gezielte Behandlung mit Hormonen und anderen unterstützenden Medikamenten kann helfen, den Leidensdruck des Vogels zu verringern.

5) Verhaltensprobleme

Frustration, Langeweile, Stress…Schlagworte, die immer wieder im Zusammenhang mit Verhaltensproblemen beim Vogel genannt werden. Papageien sind hochintelligente, soziale Tiere, die unter keinen Umständen alleine gehalten werden dürfen. Ein ausreichend grosser Käfig und artgerechte Beschäftigung sind ein absolutes Muss für eine tiergerechte Haltung. Viele Faktoren wie Luftfeuchtigkeit, Temperatur oder Ernährung müssen beachtet werden, um einen Vogel eine möglichst naturnahe und korrekte Haltung zu bieten. Aus Mangel an sozialen Kontakten (der Mensch ist kein adäquater Partner für einen Vogel) oder durch fehlende Beschäftigung bzw. falsche Haltung heraus wird das eigentlich normale Komfort- und Pflegeverhalten des Vogels verstärkt. Die Gefiederpflege wird zu einer Zwangshandlung, Federn werden durch die übertriebene Pflege zerstört bzw. komplett ausgerissen. Bei chronischen Fällen wird oft auch die Haut verletzt – Wunden und Blutungen bewirken eine noch intensivere Pflege – ein Teufelskreis entsteht. Oft spielt auch sexuelle Frustration ab Eintritt der Geschlechtsreife und eine oft damit verbundene Fehlprägung des Vogels auf den Menschen eine entscheidende Rolle. Ein verantwortungsbewusster Vogelhalter zu sein bedeutet immer, die eigene Vogelhaltung kritisch zu überdenken. Wer einen Vogel als Wildtier mit spezifischen Bedürfnissen betrachtet und dementsprechend behandelt, wird mit Sicherheit viel Freude am natürlichen und einmaligen Verhalten seines Schützlings haben.

Sollten Sie weitere Fragen zum Thema „Federrupfen“ bei Ihrem Vogel haben, können Sie mich gerne hier kontaktieren